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Interview: Alice und 40 Jahre Per Elisa

Corriere di Bologna 13/03/2021 – von Andrea Tinti

Platte des Tages

„Die Sängerin aus Forlì gewann 1981 das Festival von Sanremo mit dem Song, den sie gemeinsam mit Franco Battiato und Giusto Pio geschrieben hat: „Es ist zwar ein Frauenname, aber es geht um Abhängigkeit“

Alice und 40 Jahre Per Elisa – „Dieses Lied hat mein Leben geändert“

1981 stürmte Per Elisa auf die Bühne des Festival di Sanremo und brachte Alice den Sieg. Vierzig Jahre später spricht die Sängerin über diese Momente, teilt Erinnerungen und Enthüllungen mit uns.

Haben Sie das diesjährige Festival die Sanremo gesehen?

Ich habe einige wenige Aufführungen gesehen, möchte aber keine Kommentare oder Beurteilungen abgeben ohne das Festival als Ganzes verfolgt zu haben. Ich glaube, die Moderation als auch die Teilnahme in einem Moment des absoluten Ausnahmezustands waren äußerst schwierig.

Vor Jahren musste man, um zu „i big“ (Anm.:Hauptkategorie des Festivals) in Sanremo zu gehören, viele Platten verkaufen, heute reden wir über Visualisierungen (Anm.: Anzahl erreichter Personen). Hat sich die Welt zum Guten oder zum Schlechten verändert? 

Genau so. Andererseits ist alles dazu bestimmt, sich im evolutionären oder involutionären Zyklus der Menschheit zu verändern. So ist das Leben. Der Wandel bringt auch unterschiedliche musikalische Sprachen mit sich, die die heutige Zeit und das, was die Gesellschaft ausdrückt und beeinflusst, widerspiegeln. Die Welt der Musik hat sich verändert und wird sich verändern, wie immer, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten.

Wie erinnern Sie sich an den Abend, an dem Sie das Festival gewonnen haben?

Es war ein sehr intensiver und freudvoller Moment.

Wie entstand Per Elisa?

Battiato schlug mir das Lied vor, das er mit Giusto Pio komponiert hatte, noch ohne Text, aber bereits mit der Idee für den Titel, der Anfangszeile der ersten Strophe und der ersten Zeile des Refrains, wesentliche Elemente im Bezug auf das Thema Sucht, die ich dann beim Schreiben des Textes weiterentwickelte.

Ist die Hauptfigur eine Frau oder, wie einige sagten, Heroin?

Elisa ist der Name einer Frau, aber leicht auf jede Form der Abhängigkeit übertragbar.

Wenn man einen Song wie Per Elisa in den Händen hält, merkt man dann, dass man einen Song hat, der ein großer Erfolg werden könnte?

Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie einen Song nach seinem möglichen Erfolg beurteilt und ich bin nicht besonders gut darin, sein kommerzielles Potenzial zu erkennen, aber in diesem Fall hatte auch ich keine Zweifel.

Mehrere Ihrer Kollegen haben Per Elisa neu aufgenommen.

Es freut mich immer sehr, ich betrachte es als ein Privileg und bin ihnen sehr dankbar.

Was denken Sie, wie Ihre künstlerische Laufbahn ohne dieses Lied verlaufen wäre?

Dieses Lied repräsentiert nur einen Moment auf meinem Weg, untrennbar verbunden mit allem anderen. Absolut wesentlich für den Zuspruch, den es auch international gesammelt hat, was es mir erleichterte, mehr und mehr Menschen zu erreichen, mit denen ich in Beziehung treten und meine Musik teilen kann. Ich weiß nicht, wie mein Leben ohne dieses Lied verlaufen wäre. Bei einem aber bin ich mir sicher: Nichts ist Zufall.

Wie fühlt man sich als Künstler, wenn man seine Hits zum x-ten Mal live singt?

Ein Lied, aber auch die Musik im Allgemeinen, ist Ausdruck einer Gegenwart, die nie zur Vergangenheit wird. Jedes Mal, wenn ich meine Songs erneut darbiete, habe ich das Glück und die Möglichkeit, ihre Essenz wieder zu erleben und sie auf diese Weise mit dem Publikum zu teilen, das wird jedes Mal zu einem Fest!

Stehen neue Projekte an?

Es stehen mehrere Alben an, davon auch eines mit neuen Songs. Und noch in diesem Jahr soll das Live-Projekt „Alice canta Battiato“, zu dem schon einige Konzerte gemeinsam mit dem Pianisten Carlo Guaitoli stattgefunden haben, als Album erscheinen. Der Titel des Albums wird allerdings ein anderer sein, da unter demselben vor vielen Jahren bereits eine Compilation erschienen ist.“

  1. Brigitte Knott #

    Ich freue mich riesig, dass ein neues Album schon dieses Jahr erscheinen wird, welches dann hoffentlich auch in Deutschland zu erwerben ist. Ein Lichtblick in dieser schweren Zeit, die wir alle durchmachen.

    14/03/2021
  2. Runwalt Salzer #

    Ihr Livekonzert im Oktober 2019 in Düsseldorf, das ich in der schönen Tonhalle mit meiner Frau besuchte, war großartig. Ich hatte sie als meine musikalische Wegbegleiterin all die Jahrzehnte nie verlassen und freue mich sehr, wenn es mal wieder eine neue Platte von ihr gäbe! Da ich ausgebildeter Opernsänger bin, darf ich behaupten, daß Alice in der ganzen Unterhaltungsmusikbranche für mich die beste Stimme hat. Zugegeben, sie ist extrem tiefer Alt und ich sehr tiefer Baß, meine absolute Stimmparallele. Ich singe viele ihrer Titel 1:1 mit, es macht mir unglaublichen Spaß. In „tempo senza tempo“ stellt sie sogar zwei „record mondiali“ auf! Einerseits singt sie den allertiefsten Ton in einem Stück, das contra-A unterm tiefen C, falls jemand die Noten kennt. Und gleichzeitig bis zum hohen E, also zwei Oktaven und eine Quint! Das habe ich noch von keiner oder keinem anderen der U-Musik-Branche erlebt. Das zweittiefste Stück von ihr, das ich so kenne ist „prospettiva nevski“ mit dem contra-B, also nur einen Halbton höher und das sang sie in Düsseldorf mit einer auch live unglaublich toll ansprechenden Tiefe!

    16/03/2021

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