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Alice – Beim Frühstück mit der Sängerin zwischen Battiato, Liebe und Glauben

Interview Famiglia Cristiana, 7. August 2016

Alice sieht uns schon von Weitem und ruft uns zu: „Lasst uns Frühstücken gehen!“ Sie sagt es mit der Begeisterung eines Kindes das weiß, jetzt geht es in die Lieblings-Pasticceria. Wir sind nur einen Steinwurf vom Mailänder Zuhause der Sängerin entfernt, das sie behalten hat, auch wenn sie seit langem im Friaul lebt. „Ich bin noch immer sehr verbunden. Ich erinnere mich an die langen Spaziergänge mit Franco in den 80ern. Einer von ihnen hat mich sogar zu einem Lied inspiriert – Tramonto urbano (Sonnenuntergang in der Stadt). Alice und Franco Battiato bildeten damals ein großartiges Duo. Er schrieb Lieder, die sie regelmäßig zum Erfolg. machte, von Per Elisa, mit dem sie San Remo 1981 gewann, bis I Treni di Tozeur. Der Erfolg war so groß, dass sie an einem gewissen Punkt ein sehr verlockendes Angebot von Capitol Records erhielt; sie sollte in die USA kommen um von dort aus für den internationalen Markt lanciert zu werden.

ALICE - Beim Frühstück mit der Sängerin 1ALICE - Beim Frühstück mit der Sängerin 2

Aber sie hat abgelehnt, und das nie bereut: „Ich wäre kein Mensch mehr gewesen, sondern eine Sängerin und Musikerin, die stets auf gepackten Koffern sitzt. Meinem Ego wäre dies sehr zuträglich gewesen, aber es wäre zu Lasten meines Wesens gegangen, und das ist doch das Wichtigste. Außerdem hatte ich in meiner Karriere dafür dann die Möglichkeit, mit ganz ausgezeichneten Musikern zu arbeiten, gefeiert in der ganzen Welt, die mich sehr bereichert haben.“

Die Freundschaft zu Battiato hingegen ist immer intakt geblieben und führte in diesem Jahr zu einer äußerst erfolgreichen gemeinsamen Tour, die am 31. Juli in Taormina endete und die im Herbst als Live-Mitschnitt auf CD erscheinen wird, eventuell gefolgt von einem gemeinsamen Album mit neuen Songs.

„Mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen, war ganz sicher magisch. Die Alchemie unser beider Stimmen lässt eine dritte Instanz entstehen. Wir hätten schon 1984, auf der Welle des Erfolgs von I Treni di Tozeur gemeinsam singen sollen, aber er hatte sich entschlossen in diesem Sommer keine Konzerte zu geben. Dafür machen wir es jetzt und es war ganz einfach: Jeder hat die Songs des eigenen Repertoires zusammengestellt und die Duette haben wir gemeinsam ausgewählt.“

Immer nach vorne zu schauen, ist dies das Lebensmotto von Alice? „Mit den Jahren versteht man, dass alle Erfahrungen dazu beitragen uns zu bereichern. Auch das, was wir für ein Übel erachten, auch das was uns leiden lässt, ist alles Teil des selben göttlichen Plans. Alles hat einen Sinn und wir sind hier um ihn zu herauszufinden. Vielleicht schaffen wir es, vielleicht auch nicht, aber wir sind auf dem Weg.“

In diesem Sinne hat Alice vor einigen Jahren ein Album aufgenommen, God is my DJ, eine Sammlung von Liedern, die alle eines gemeinsam haben: „Den Wunsch, dem Göttlichen dienlich zu sein: Also nicht geistliche Musik an sich, sondern die Suche nach dem Geistlichen in der Musik.“ Das, was Battiato seit jeher macht, und daher ist es kein Zufall, dass sich auf dem Album zwei Schmuckstücke seiner wohl mystischsten Produktion finden, L’ombra della luce e Oceano di silenzio.

Ein Projekt, geboren in Kirchen, wohin die Sängerin immer wieder zurückkehrt. „In einer Kirche suche ich diese Art feiner subtiler Energie, die einem hilft mit dem Geistlichen Kontakt aufzunehmen.

Ein paar Schritte entfernt, von der Pasticceria, in der wir uns befinden, steht eine Kirche mit der Alice sehr verbunden ist, die Basilika di San Francesco: „Ich wohnte gerade mal 15 Meter vom Kirchturm entfernt, und so kam es mir vor als „atmete“ ich geradezu diesen geweihten Ort. Jeden Morgen ging ich um 8.45 Uhr in die Messe, und für mich war es sehr hilfreich den Tag so zu beginnen.“

Zu dieser Zeit lernte die Sängerin auch den Mann kennen, der seitdem an ihrer Seite ist, Francesco Messina, Professor und Plattenproduzent: „Unsere Liebe ist wie eine kleine Pflanze, die kontinuierlich gegossen werden muss. Man muss versuchen den anderen so zu akzeptieren wie er ist, ohne Bedingungen zu stellen. In dem Moment, in dem man in der Lage ist seine Schwachstellen zu lieben, wird alles harmonischer und die Krisen, die es dennoch gibt, sind leichter zu überwinden. Und mit den Jahren führt dies alles zu mehr Innigkeit.“

Es war diese Liebe zu Francesco Messina, aus der heraus sie 2001 entschied Mailand zu verlassen um ihm ins Friaul zu folgen, in eine kleine Ortschaft in der Nähe von Udine. „Kleine Strukturen gefallen mir, weil ich sie gewohnt bin. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, am Rande der Stadt Forlì, daher war es für mich wie eine Rückkehr zu meinen Wurzeln, auch wenn ich mir für viele Jahre nicht vorstellen konnte, die Stadt je zu verlassen. Aber das Leben kennt verschiedene Phasen, und es ist richtig sich treiben zu lassen. Dies ist für mich ein wahrhaft schönes Alter. Ich hoffe meine Gesundheit bleibt mir noch sehr lange erhalten, und was den Rest angeht, erlebe ich das Verstreichen der Zeit als wunderbare Gabe und mir geht es wunderbar dabei.“

 

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